Wie viel Einfluss Frauen in Aufsichtsräten und anderen Entscheidungsgremien tatsächlich haben, und was es braucht, damit dieser Einfluss weiter wächst, stand im Zentrum unseres Women in Law Events „Was Frauen in Aufsichtsräten bewirken können“.
Schon beim Ankommen war zu spüren: Hier treffen Menschen aufeinander, die nicht nur über Diversität sprechen, sondern sie aktiv gestalten wollen. Juristinnen, Aufsichtsrätinnen, Vertreterinnen aus Ministerien, Unternehmen und Institutionen tauschten sich intensiv darüber aus, wie gerechtere und vielfältigere Strukturen in Gremien gelingen können.
Frauen in Gremien: Projekt mit klarem Auftrag
Zum Einstieg stellte Women in Law das Projekt „Frauen in Gremien“ vor. Es geht darum, sichtbar zu machen, wo wir stehen, welche Barrieren Frauen auf dem Weg in Aufsichtsräte, Kammern und Beiräte noch begegnen – und welche Lösungen bereits gut funktionieren.
Sophie Martinetz brachte es auf den Punkt: Gremien entscheiden über Budgets, Strategien und Karrieren. Wer dort sitzt, gestaltet die Zukunft von Organisationen mit. Dass Frauen in diesen Gremien angemessen vertreten sind, ist daher keine Kür, sondern eine demokratie- und standortpolitische Notwendigkeit.
Caroline Weerkamp nahm diesen Faden auf und beschrieb, worauf das Projekt abzielt: Weg von den „immer gleichen Profilen“ hin zu mehr Transparenz, faktenbasierter Diskussion und konkreten Empfehlungen, etwa durch klarere Auswahlprozesse oder strukturierte Talentpools für qualifizierte Juristinnen.
Ein starkes Podium – Frauen mit Verantwortung
Im Anschluss diskutierten hochkarätige Expertinnen sehr offen über ihren Weg in Gremien, über Hürden, Unterstützung und Verantwortung. Am Podium vertreten waren:
- Andrea Halbartschlager, Seniorenzentrum Stadt Haag GmbH, Aufsichtsratsvorsitzende der Raiffeisenbank Region Amstetten
- Susanne Kalss, Institut für Unternehmensrecht, WU Wien
- Tamara Kapeller, Wentner Kapeller Havranek Board Consulting GmbH, stellvertretende Aufsichtsratsvorsitzende der BAWAG-Group
- Ulrike Rauch-Keschmann, Bundesministerium für Wirtschaft, Energie und Tourismus, Aufsichtsratsvorsitzende der Österreich Werbung, Aufsichtsrätin der Bundesimmobiliengesellschaft und der Spanischen Hofreitschule
- Karin Zipperer, Verkehrsverbund Ost-Region, Aufsichtsratsvorsitzende der Asfinag
Die Diskussion zeigte sehr anschaulich, wie unterschiedlich die Wege in Aufsichtsräte sein können und wie ähnlich viele Erfahrungen trotzdem sind: die Bedeutung von Netzwerken, Verbündeten und Mentor:innen, die Notwendigkeit klarer Rahmenbedingungen und die Herausforderung, in männerdominierten Gremien die eigene Stimme zu behaupten. Gleichzeitig wurde deutlich, wie viel Gestaltungskraft Frauen in diesen Funktionen einbringen – von Governance-Fragen über Unternehmenskultur bis hin zu gesellschaftlicher Verantwortung.
Women in Law Academic 2026: Auszeichnung für Susanne Kalss
Ein besonderer Höhepunkt des Vormittags war die Verleihung des Preises „Women in Law Academic 2026“ an Prof. Susanne Kalss. Women in Law würdigt damit ihre langjährige wissenschaftliche Arbeit im Wirtschafts- und Gesellschaftsrecht sowie ihr Engagement für die Förderung weiblicher Talente.
Die Auszeichnung steht auch stellvertretend für viele Wissenschafterinnen, die mit Forschung und Lehre wichtige Impulse für mehr Vielfalt im Rechtssystem geben. Dass Theorie und Praxis einander hier brauchen, wurde im Laufe des Events immer wieder deutlich.
„Österreich wählt“: Repräsentation im demokratischen Kontext
Mit der Vorstellung des Projekts „Österreich wählt“ wurde der Blick bewusst geweitet: Repräsentation in politischen Prozessen und Repräsentation in Gremien hängen eng zusammen. Es geht in beiden Bereichen um Teilhabe, Sichtbarkeit und die Frage, wer mitentscheidet.
Das Projekt macht deutlich, wie wichtig es ist, unterschiedliche Perspektiven in Entscheidungsstrukturen einzubeziehen; sei es in Parlamenten, in Aufsichtsräten oder in anderen Gremien von Wirtschaft und Institutionen.
Austausch, Vernetzung und Ausblick
Beim anschließenden Networking wurden Diskussionen aus dem Plenum in kleiner Runde vertieft. Viele nutzten die Gelegenheit, sich zu vernetzen, Erfahrungen zu teilen und mögliche Kooperationen anzudenken. Genau diese Vernetzung – über Hierarchien, Institutionen und Karrierephasen hinweg – ist ein Kernanliegen von Women in Law.
Für uns steht nach diesem Vormittag fest: Es gibt bereits viele Frauen, die in Aufsichtsräten und anderen Gremien Verantwortung übernehmen und Veränderung vorantreiben. Gleichzeitig bleibt viel zu tun – strukturell, kulturell und politisch. Mit dem Projekt „Frauen in Gremien“ und weiteren Formaten werden wir diesen Weg konsequent weitergehen.





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