Allgemein | Blogbeitrag

Zwischen Expertise und Teamgeist: Arbeiten in der Großkanzlei
Was bewegt eine junge Anwältin dazu, sich für die Karriere in der Großkanzlei zu entscheiden? Ein Interview mit Mag. Lisa-Maria Rumpold, Rechtsanwältin bei SAXINGER

Was bewegt eine junge Anwältin dazu, sich für die Karriere in der Großkanzlei zu entscheiden?
Ein Interview mit Mag. Lisa-Maria Rumpold, Rechtsanwältin bei SAXINGER

Was waren für Sie die ausschlaggebenden Faktoren, sich für eine Karriere in einer Großkanzlei zu entscheiden?

Für eine Karriere in einer Großkanzlei sprechen viele Vorteile. Für mich persönlich, war einer der wichtigsten Faktoren, das breite Spektrum an Fachgebieten. In Großkanzleien arbeiten – im Vergleich zu kleineren Kanzleien – viele Fachjuristen aus unterschiedlichen Rechtsgebieten auch grenzüberschreitend zusammen. Das ermöglicht eine vielseitige und interdisziplinäre Zusammenarbeit sowie eine frühe fachliche Spezialisierung. Ebenso ließen die klar ausgestalteten Karrierepfade, die internationale Vernetztung, etwa über die Saxinger Schindhelm Services SE – Allianz europäischer Wirtschaftskanzleien –  mit der Möglichkeit auch an anderen Standorten außerhalb von Österreich zu arbeiten sowie die intensive Ausbildung und Förderung durch Mentoringprogramme meine Entscheidung auf eine Großkanzlei fallen.

Wie erleben Sie den Alltag in einer Großkanzlei – sowohl fachlich als auch menschlich?

Der Arbeitsalltag in einer Großkanzlei ist selten identisch. Die Aufgabenstellungen der Mandate sind vielfältig, neben der Mandatsbetreuung arbeitet man an komplexen juristischen Fragestellungen und oft ist eine Betrachtung der Sachverhalte von verschiedenen Seiten notwendig. Vor allem Großprojekte erfordern – über die fachliche Expertise hinaus – eine gute Zusammenarbeit und einen engen Austausch mit Mandant:innen und Kolleg:innen aus verschiedensten Fachbereichen. Die klare Rollenverteilung innerhalb des Teams, eine effiziente Arbeitsaufteilung sowie ein guter Überblick über den Projektstand sind daher unausweichlich. Die Arbeit erfordert Präzision, strategisches Denken und ein hohes Maß an Eigeninitiative. Gleichzeitig bietet diese Arbeit aber auch außergewöhnliche Einblicke in Wirtschaft und internationale Zusammenhänge, was ich als sehr motivierend empfinde.

Menschlich erlebe ich den Alltag in einer Großkanzlei als respektvoll und sehr kollegial. Man unterstützt und motiviert sich gegenseitig, lernt voneinander und erreicht gemeinsam anspruchsvolle Ziele. Natürlich kann der Leistungsdruck hoch und die Arbeitszeiten intensiv sein, doch im Team herrscht ein starkes Zusammengehörigkeitsgefühl. Man arbeitet gemeinsam auf ein Ziel hin und profitiert dabei vom Wissen und der Erfahrung der Kolleg:innen. Besonders schätze ich die Offenheit, mit der Ideen und Meinungen ausgetauscht werden können. Die Kollegialität, Verlässlichkeit und die Freude an gemeinsamen Erfolgen zeichnen den Arbeitsalltag in einer Großkanzlei aus.

Das Thema Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben ist für viele junge Juristinnen zentral. Wie gehen Sie persönlich damit um?

Für mich bedeutet Vereinbarkeit von Beruf und Privatlebenein bewusster Umgang mit Prioritäten und Energie. Ich bin der Auffassung, dass die Kanzleikultur dabei eine entscheidende Rolle spielt. Kanzleien, die transparente Kommunikation fördern, flexible Arbeitsmodelle ermöglichen und eine Kultur des Vertrauens leben, erleichtern es sehr, Beruf und Privatleben in Einklang zu bringen.

Das Bewusstsein in Kanzleien im Hinblick darauf, dass die Work-Life-Balance einen entscheidenden Faktor für Zufriedenheit und langfristige Karriereentwicklung darstellt, wächst stetig. SAXINGER hat durch die Flexibilisierung der Arbeitszeit mit Home-Office-Möglichkeit oder verschiedenen Teilzeit-Arbeitsmodellen bereits wichtige Schritte umgesetzt. Eine interne Home-Office-Richtline schafft beispielsweise auch für Rechtsanwaltsanwärter:innen die Möglichkeit, von Home-Office Gebrauch zu machen.

Wie hat Sie die Kanzlei beim Einstieg und in Ihrer Entwicklung unterstützt?

Als Rechtsanwaltsanwärter:in arbeitet man zunächst hauptsächlich in den Akten des zugeordneten Ausbildungsanwalts mit. Rechtsanwält:innen verschiedener Senioritätslevel arbeiten in diesen Teams, so dass das „training on the job“ in den Arbeitsalltag integriert ist. Erfahrene Kolleg:innen übernehmen dabei das „Mentoring“ und geben in der ersten Zeit wichtige fachliche und persönliche Hilfestellungen. Die schnelle Integration in die Kanzleistruktur, der Wissens- und Erfahrungsaustausch mit erfahrenen Kolleg:innen, die Stärkung individueller Fähigkeiten durch Ausbildungsanwält:innen sowie die Unterstützung beim Aufbau der eigenen Karriere, spielten für meine Entwicklung eine entscheidende Rolle.

„Der Arbeitsalltag in einer Großkanzlei ist selten identisch. Die Aufgabenstellungen der Mandate sind vielfältig, neben der Mandatsbetreuung arbeitet man an komplexen juristischen Fragestellungen und oft ist eine Betrachtung der Sachverhalte von verschiedenen Seiten notwendig.“

Wie wichtig sind Austausch und Sichtbarkeit innerhalb der Kanzlei – gerade für junge Frauen im Berufseinstieg?

Austausch und Sichtbarkeit können einen Schlüssel zum Erfolg darstellen, besonders für junge Frauen im Berufseinstieg. Sie fördern nicht nur fachliches Wachstum, sondern auch Zugehörigkeit, wirtschaftlichen Erfolg und langfristige Karrierechancen. Sichtbarkeit bedeutet dabei nicht Selbstdarstellung, sondern, dass Leistung, Engagement und Ideen wahrgenommen werden. Das gelingt am besten, wenn man den fachlichen Austausch sucht, Verantwortung übernimmt und sich auch über das unmittelbare Team hinaus einbringt. Für junge Juristinnen ist zudem ein unterstützendes Umfeld besonders wertvoll. Mentoring-Programme, interne Netzwerke oder Female-Leadership-Initiativen können dazu einen wesentlichen Beitrag leisten. Kanzleien, die eine offene Kommunikationskultur fördern und Frauen gezielt ermutigen, sich in Projekten oder Mandaten sichtbar zu positionieren, schaffen langfristig nicht nur mehr Chancengleichheit, sondern auch eine inspirierende Arbeitsatmosphäre.

Bei SAXINGER ist geschlechterunabhängige Chancen- und Leistungsgerechtigkeit tagtäglich gelebte Praxis. Die Initiative für Gleichstellungsfragen „FRIEDA“, welche sich insbesondere mit Women Empowerment und Gender Equality beschäftigt, ist für mich bei SAXINGER nicht mehr wegzudenken.

Wenn Sie zurückblicken: Welche Ratschläge würden Sie jungen Juristinnen geben, die gerade am Anfang ihrer Karriere stehen?

Gerade am Anfang der Karriere kann man leicht an sich zweifeln, besonders in einem Umfeld, in dem Selbstsicherheit oftmals mit Erfahrung verwechselt wird.
Mein Tipp ist, Fragen zu stellen und sich auch trauen, die eigene Meinung zu äußern. Es empfiehlt sich, auch proaktiv auf den Ausbildungsanwalt zuzugehen, sich mit diesem über fachliche und persönliche Ziele zu unterhalten und Feedback einzufordern. Dabei kann man durchaus seine eigene Art einbringen, ob ruhig, analytisch oder kommunikativ. Authentizität schafft Glaubwürdigkeit und Vertrauen, nicht nur innerhalb des Teams, sondern auch nach außen hin bei Mandant:innen.

„Es gibt nicht die eine Art, ein guter Anwalt oder eine gute Anwältin zu sein. Authentizität wird meiner Meinung nach auf Dauer mehr belohnt als ein aufgesetztes Rollenverhalten.“

Worauf sollte man bei der Wahl der Kanzlei achten – fachlich, kulturell und persönlich?

Die Wahl der richtigen Kanzlei hängt stark von den persönlichen fachlichen Interessen, eigenen Werten und der individuellen Arbeitsweise ab. Fachlich ist meiner Meinung nach entscheidend, dass die Kanzlei die Rechtsgebiete bzw. Schwerpunkte abdeckt, in denen man sich langfristig sieht und entsprechende Aus- und Weiterbildungsmöglichkeiten bietet. Auch die Mandatsstruktur spielt dabei eine Rolle: Arbeitet die Kanzlei eher an internationalen Transaktionen, an Litigation-Fällen oder an laufender Beratung? Das sollte zu den eigenen Interessen passen. Im Hinblick auf die kulturelle Komponente kommt es meines Erachtens darauf an, ob die Arbeitsatmosphäre und der Umgang im Team zu einem passen. Und persönlich sollte man sich fragen, ob die Kanzlei einem die Entwicklung und Balance ermöglicht, die man langfristig anstrebt.

Wie kann man sich selbst treu bleiben und dennoch in einem fordernden Umfeld wachsen?

Ich denke, das ist eine Kombination von klarer Kommunikation, stabilem Netzwerk und der Verinnerlichung des eigenen Stils. Einerseits ist wichtig klar zu kommunizieren, was bis wann geleistet werden kann. Andererseits braucht es auch Kollegen, Mentoren, etc. bei denen man ehrlich sein kann; über Erfolge, aber auch über Zweifel. Ein stabiles, unterstützendes Netzwerk ist oft das beste Gegengewicht zu einer fordernden Tätigkeit. Und schließlich gibt es nicht die eine Art, ein guter Anwalt oder eine gute Anwältin zu sein. Authentizität wird meiner Meinung nach auf Dauer mehr belohnt als ein aufgesetztes Rollenverhalten.

Mag. Lisa-Maria Rumpold ist seit 2020 für SAXINGER in Linz tätig (seit 2023 als Rechtsanwältin) und berät Unternehmen sowie Private in allen Bereichen des Zivil- und Vertragsrechts mit Schwerpunkt im Arbeits- und Familienrecht. Über besondere Expertise verfügt Lisa-Maria Rumpold bei der Beratung im Zusammenhang mit Fragen des kollektiven und individuellen Arbeitsrechts, der Errichtung und Prüfung von Arbeitsverträgen sowie der gerichtlichen und außergerichtlichen Rechtsdurchsetzung.

0 Kommentare