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Nachbericht: Was bedeutet das „S“ bei ESG? Women in Law Diskussion gemeinsam mit SCWP Schindhelm, Bitpanda GmbH und BNP Paribas
Im April 2021 hat die Europäische Kommission die Nachhaltigkeitsberichtserstattung reformiert. Obwohl als Konsequenz davon „ESG“ derzeit zu den gefragtesten Abkürzungen zählt, wissen viele nicht, um was es sich dabei konkret…

Im April 2021 hat die Europäische Kommission die Nachhaltigkeitsberichtserstattung reformiert. Obwohl als Konsequenz davon „ESG“ derzeit zu den gefragtesten Abkürzungen zählt, wissen viele nicht, um was es sich dabei konkret handelt: Environment, Social, Governance.

Alle Teile davon sind wichtig, aber im Rahmen der Initiative Women in Law wird der Schwerpunkt auf das „S“ gelegt – „Social“ für Diversität, Menschenrechte, Gesundheit, Arbeitsschutz und Chancengleichheit. Wenn über ESG gesprochen wird, ist damit also unter anderem nachhaltige Unternehmensführung gemeint.

Eröffnung durch FBM Alma Zadić

Diverse Teams sind ein entscheidender Erfolgsfaktor für jedes Unternehmen. Gerade Frauen tragen innerhalb von Unternehmen einen maßgeblichen Beitrag zu Diversität, Chancengerechtigkeit und Good Governance bei. Repräsentation und Sichtbarkeit sind wichtig, weshalb die Rahmenbedingungen gestärkt werden müssen, die es Frauen ermöglichen, auch in der ersten Reihe Verantwortung übernehmen zu können. Als Einstieg in die Veranstaltung meldete sich FBM Alma Zadić mit einer Videobotschaft zu Wort: die Berichtspflicht sehe sie als große Chance, gerade für den Kanzleibereich.

Ist ESG-Reporting nur ein Hype oder doch eine Chance?

Die Wirtschaftskanzlei SCWP Schindhelm (seit 2022 Gold Partner bei Women in Law) setzt sich schon länger intensiv mit dem Thema „ESG“ auseinander. Birgit Leb und Michaela Nill (beide Rechtsanwältin und Partnerin, SCWP Schindhelm) boten eine Übersicht des komplexen Themas, um den Teilnehmenden die Orientierung zu erleichtern. Wer nicht an der Veranstaltung teilnehmen konnte, kann sich anhand der Eventaufzeichnung informieren (https://www.women-in-law.org).

Die Vertreterinnen von SCWP Schindhelm sind sich einig: ESG trifft jeden – fast jedes Fachgebiet und beinahe jeder Bereich des täglichen Lebens sind betroffen. Daher ist es wichtig, ein dementsprechendes Bewusstsein zu schaffen und als Unternehmensführung auch unkonventionelle Aufgaben anzunehmen. Daraus, so ist sich Birgit Leb sicher, werden sich nicht nur neue Arbeits(zeit)modelle entwickeln, sondern auch ein neuer Führungsstil. 

ESG im Arbeitsrecht

Die sich hinter dem „S“ in ESG verbergenden Sozialfaktoren sind weitreichend und mittlerweile mit dem „Umweltfaktor“ gleichgezogen. Im Bereich des „S“ sind insbesondere die GRI Standards zu beachten. Dabei handelt es sich um Leitlinien, die von der Global Reporting Initiative gemeinsam mit den United Nations als Best Practice für Nachhaltigkeitsberichterstattung entwickelt wurden. Auch in Österreich sind die GRI Standards die empfohlenen Leitlinien für eine Nachhaltigkeitsberichterstattung.

So viel sei gesagt: Corporate Social Responsibility reicht nicht aus, um das „S“ in ESG abzudecken. Die GRI Standards gehen in ihren dahingehenden Kriterien und Vorgaben viel mehr in die Tiefe, wie Irene Meingast (Rechtsanwältin und Partnerin, SCWP Schindhelm) erläuterte.

Best Practice bei SCWP Schindhelm

Bei SCWP Schindhelm ist Gender und Diversity ein wesentlicher Teil der Unternehmenskultur: bei einem Frauenanteil unter den Juristinnen von 40% herrscht zu 100% Equal Payment und Abteilungen werden in gemischten Doppelspitzen geleitet. In 2019 wurde Kanzleiintern auch ein Unterausschuss gegründet, um eine Weiterentwicklung von Beschäftigungs- und Partnerschaftsmodellen zu fördern und letztendlich die Chancen auf eine Partnerschaft bei SCWP Schindhelm für alle Geschlechter gleichermaßen zu gestalten.

Jana Seywald (Rechtsanwältin und Partnerin, SCWP Schindhelm) umriss die aktuellen dahingehenden Tätigkeiten bei SCWP Schindhelm, die unter anderem Teilzeitmodelle und Wiedereingliederungsprogramme sowie Richtlinien zur Verhinderung von Diskriminierung, Mobbing und sexueller Belästigung beinhalten. Auch ein Mentoringprogramm für alle Ebenen wurde ausgearbeitet. 

Diskussion: was ist echt, was ist „Social Washing“?

Panelteilnehmerin Christina Kabas ist als Abteilungsleiterin der Abteilung Recht bei BNP Paribas tätig. Als globaler Player nimmt ein Unternehmen wie BNP Paribas eine wichtige Rolle im Bemühen um die ESG-Ziele ein. Bei der damit verbundenen Arbeit wird deutlich, dass insbesondere die Arbeit im Bereich des „S“ von ESG eine komplexe ist – denn was ist „echtes“ Commitment und was ist sogenanntes Social Washing? „Social from ESG is an embedded and comprehensive business principle, not the exception in our daily practice.”  Fr Kabas gab im Rahmen der Diskussion einen spannenden Einblick in die von BNP Paribas ergriffenen Maßnahmen wie beispielsweise eigene Programme zur Talenteförderung.

Auch bei Bitpanda gibt es interessante Einblicke: im Bereich Start-up liegt der Fokus auf Growth, weshalb oft das eine oder andere Thema auf der Strecke bleibt. Bei Bitpanda wurde dies allerdings erkannt und dem gegengesteuert – eine neue Unternehmensstruktur soll flexibles Arbeiten und autonomen Urlaub zukünftig realistisch umsetzbar machen. Magdalena Hörhager (Vice President Growth, Bitpanda GmbH) wies in diesem Zusammenhang auf die notwendige und oft fehlende Akzeptanz im Unternehmen bzw unter den Mitarbeitenden hin – hier müsse auf Managementebene bewusst darauf hingearbeitet werden, dass die einzelnen Arbeitnehmer*innen Angebote auch in Anspruch nehmen.

Gutes Tun und darüber sprechen – und auch kleine Fortschritte gelten lassen: mit diesem Fazit schlossen die Diskutantinnen der Veranstaltung.

„Wir haben als Kanzlei und Unternehmen die Verantwortung, unseren Beitrag für einen gesellschaftlichen Wandel zu leisten, bei dem die Vereinbarkeit von Beruf & Familie nicht länger als Frauenthema, sondern als partnerschaftliche Aufgabe gesehen wird. Nur so können wir eine echte Chancengleichheit für Frauen im Berufsleben erreichen. Dieser gesellschaftliche Wandel wird durch das ESG-Reporting klar gefördert, denn es birgt nicht nur Pflichten, sondern werden Unternehmen, die auf Chancengleichheit setzen, von der zukünftigen Nachhaltigkeitsberichterstattung profitieren. Wir sehen daher insbesondere das „S“ in ESG als ernstzunehmende Chance für ein Umdenken hin zu einem Arbeitsumfeld, in dem Frauen und Männer gleichgestellt werden. Danke an Women in Law, die diesen wichtigen Themen die entsprechende Bühne geben,“ schlossen die Vertreterinnen von SCWP Schindhelm.  

Wer die Veranstaltung verpasst hat, kann sich hier die Aufnahme ansehen: